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Alphabet

Welche Themen waren diese Woche am Finanzmarkt relevant?

  • Tautogramm
  • Pangramm
  • Anagramm

Tautogramm

Banken beflügeln Börsen, Big Blue blutet bitter. Manchmal braucht es nur einen einzigen Satz, um eine ganze Börsenwoche zu beschreiben. Sprachwissenschaftler nennen das ein Tautogramm. Möglichst viele Wörter beginnen mit demselben Buchstaben. Aktionäre applaudieren, Analysten analysieren, Algorithmen antizipieren. Passender kann man diese Börsenwoche nicht zusammenfassen. Die US-Banken Goldman Sachs, JPMorgan und Morgan Stanley lieferten starke Quartalszahlen und sorgten für gute Stimmung im Bankensektor. Ich verweise auf mein Interview vor einem Monat: Warum Finanzwerte vor einem Comeback stehen. Gedacht, gesagt, gekommen! Gleichzeitig stürzte diese Woche der Kurs von IBM, von Generationen von Anlegern ehrfürchtig „Big Blue“ genannt, nach einem schwachen Ausblick um rund 25 Prozent ab. IBM irritiert Investoren oder Konzern kassiert Kursklatsche. Kommen wir vom Tautogramm zum Pangramm.

Pangramm

Ein Pangramm enthält jeden Buchstaben des Alphabets mindestens einmal. Der bekannteste deutsche Beispielsatz dafür lautet: „Franz jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern.“ Die Börse hat dafür ihre ganz eigene Version. Von A wie Artificial Intelligence über B wie Banken, I wie Inflation bis O wie Oel und Z wie Zinshoffnung war in dieser Woche nahezu das komplette Börsenalphabet vertreten. Dabei genügte ausgerechnet eine einzige Zahl, um die Reihenfolge im Markt neu zu sortieren. Die US-Inflation fiel überraschend auf 3,5 Prozent nach 4,2 Prozent im Vormonat. Plötzlich wurde eine Zinserhöhung der US-Notenbank im Juli deutlich unwahrscheinlicher. Aktien atmeten auf, Anleihen ebenso. Gleichzeitig kletterte der Ölpreis angesichts des anhaltenden Konflikts mit dem Iran weiter nach oben und erinnerte daran, dass an der Börse selten ein Kapitel endet, bevor das nächste beginnt. Kaum waren die Daten veröffentlicht, lieferten Analysten unzählige Diagramme, um das Börsenalphabet auch den Börsenanalphabeten zu erklären. Und nach der Lektüre aller Buchstaben der Marktkommentare komme ich zu dem Schluss, dass die Börsen eben ihr eigenes Buch schreiben, ohne auf grammatikalische Regeln zu achten. Im Gegenteil, wie so oft lassen sich in ein und dieselbe Tatsache zwei völlig verschiedene Dinge interpretieren. Womit wir beim Anagramm wären.

Anagramm

Aus LAGER wird REGAL. Dieselben Buchstaben. Eine völlig neue Bedeutung. Genau das ist ein Anagramm. An der Börse braucht es dafür nicht einmal neue Buchstaben. Vor wenigen Wochen lautete die Übersetzung der Märkte: Inflation = Zinserhöhung = Kursdruck. In dieser Woche hieß dieselbe Geschichte plötzlich: Inflation = Zinspause = Kursfantasie. Keine neuen Fakten. Keine neuen Buchstaben. Nur eine andere Reihenfolge. Die Börse ist eben das größte Anagramm der Welt. Sie lebt nicht von Nachrichten. Sie lebt von deren Interpretation. Mein Börsen-Epigramm dieser Woche lautet deshalb: „Die Börse spricht jeden Tag dieselbe Sprache. Nur ihre Grammatik ändert sich.“ Damit genug der Börsenlinguistik. Im Telegramm liest sich diese Woche so: Inflation überrascht positiv. STOP Fed gewinnt Zeit. STOP Banken glänzen. STOP IBM schockt. STOP Öl mahnt zur Vorsicht. STOP Im Histogramm ergibt sich daraus für die zweite Börsenhälfte folgendes Bild:

Zinspause der Fed █████████░ 85 %

Freundliche Aktienmärkte ████████░░ 75 %

Starke US-Banken ████████░░ 75 %

Anhaltend hoher Ölpreis ██████░░░░ 60 %

Weitere Zinserhöhung 2026 ███░░░░░░░ 25 %

Ich verabschiede mich für diese Woche mit meinem Monogramm.

Ihr VS

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