Die Greiffbar

Investments zu Anfassen

Durchs wilde Absurdistan

Welche Themen waren diese Woche am Finanzmarkt relevant?

  • Warsheinlichkeiten
  • Musk Haves
  • Trumphal

Warsheinlichkeiten

Kevin Warsh, der neue US-Notenbankchef, stand diese Woche im Mittelpunkt der Finanzmärkte. Im Vorfeld wurde gerätselt, wie hoch die Warsheinlichkeit ist, dass die Zinsen doch bald steigen könnten. Und siehe da, die Notenbank lässt die Zinsen unverändert, signalisiert aber, dass Zinserhöhungen noch in diesem Jahr kommen könnten. Damit ist die Zinssenkungsphantasie, wie Trump sie gerne hätte, erst einmal vom Tisch. Die Börsen reagierten mit einem warsh out und gaben erst einmal deutlich nach. Doch das ist schon wieder Schnee von gestern, denn die Erleichterungsrally durch den nahenden Iran-Deal feuerte die Märkte zum Ende der Woche wieder an. Warsh steckt in einer echten Zwickmühle. Die US-Inflation liegt mit 4,2 % weiterhin viel zu hoch und gleichzeitig läuft die Wirtschaft weiterhin erstaunlich rund. Kommt er Trumps Forderungen nach Zinssenkungen nach, so ist das ungefähr wie ein Grillfest in der Feuerwerksfabrik abzuhalten. Warsh verlegte sich daher in seiner ersten Pressekonferenz auf Nebenkriegsschauplätze: Er kündigt eine umfassende Reform an, um die Kommunikation, die Prognoseverfahren und die Inflationsstrategie der Notenbank zu prüfen. Kevin Warsh hat die klassische Forward Guidance praktisch abgeschafft und durch die Forwarsh Guessance ersetzt. Früher sagte die Fed, wohin die Reise geht. Heute darf der Markt raten, was die Notenbank vorhat. Damit werden wir nicht so viel Spaß haben wie hiermit:

Musk Haves

Es gibt erfolgreiche Börsengänge. Es gibt erfolgreichere Börsengänge. Und es gibt SpaceX. To the Mars lautete auch das Motto für die Kursentwicklung der ersten Handelstage. Die Neuemission hat sich zum Musk Have für Anleger entwickelt und bald springen alle Indexfonds auf den Raketenstart mit auf. Münchhausen auf seiner Kanonenkugel ist ein müder Rohrkrepierer gegen den Weltraumbaron aus Amerika. Elon Musk hat die Gunst der Stunde diese Woche sofort genutzt und greift mit SpaceX nach der Firma Cursor. Der Kaufpreis von 60 Mrd. US-Dollar bewegt sich in Regionen, die selbst gestandene Raumfahrer bisher noch nicht erreicht haben. Das Bemerkenswerte daran ist aber weniger der Deal an sich, sondern die Währung mit der Elon Musk bezahlt. Es geht nicht um eine Cash-Offerte, sondern um einen Aktientausch. Musk nutzt den „exorbitalen“ Kurs seines Unternehmens, um sich sein eigenes Musk Have einzuverleiben. Und genau deshalb ist SpaceX viel mehr als nur ein Börsengang. Es ist die Blaupause für die nächste IPO-Welle. OpenAI, Anthropic und andere KI-Schwergewichte stehen bereits auf der Startrampe und warten auf den Countdown.

Trumphal

Donald Trump wurde in dieser Woche 80 Jahre alt. Andere Menschen feiern diesen Geburtstag mit Kaffee und Kuchen, einem Fotoalbum oder der Frage, ob die Enkel am Wochenende vorbeikommen. Trump feierte diese Woche mit einem Käfigkampf vor dem Weißen Haus, einem G7-Gipfel und einem Fußballtrikot von Friedrich Merz. Man muss ihm eines lassen: Selbst seine Geburtstage wirken wie eine Reality-Show. Aus dem altbackenen Geschenkkorb wird ein Kampfkäfig, aus dem Geburtstagsständchen eine Standing Ovation der G6-Staaten und aus dem Trikot ein Trickot, um den alten Mann aus dem Weißen Haus zum Teamplayer zu machen. Trumphal stolzierte der friedenstiftende Käfigkampfverehrer auf dem Gipfel umher, während sich die übrigen Staats- und Regierungschefs mit Wirtschaft, Sicherheit und Handel beschäftigten. Und vielleicht liegt genau darin das Geheimnis seines politischen Erfolgs: Er sieht sich als die ultimative Trumpfkarte aller Probleme und fordert dafür maximale Anerkennung. Oder um die Woche dieser drei Männer auf den Punkt zu bringen: Kevin Warsh versucht die Inflation zu kontrollieren. Elon Musk versucht den Weltraum zu erobern. Und Donald Trump fordert Tribut statt Trikot. Karl May hätte seine Freude mit Old Firehand Trump, Old Shatterhand Musk und Old Surehand Warsh. Der Buchtitel: Durchs wilde Absurdistan.

Ihr Volker Schilling

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