Welche Themen waren diese Woche am Finanzmarkt relevant?
- Diarrhoe
- Obstipation
- Flatulenz
Diarrhoe
Willkommen zur großen Verdauungstournee durch Deutschland: Essen – Darmstadt – Pforzheim. Sie wissen ja, Darm mit Charme hat Konjunktur und so führte auch Wirtschaftsministerin Katharina Reiche diese Woche das Wirtschaftswachstum Deutschlands kurzerhand ab. Die deutsche Wirtschaft bräuchte dringend eine Elektrolytzufuhr bei nur noch 0,5 % Wachstum in 2026. Die Dehydrierung der deutschen Industrie ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass sie eine ordentliche Flüssigkeitszufuhr benötigt. Alle 20 Minuten eine Insolvenz in Deutschland. Besser kann man den Wohlstand nicht abführen. Vielleicht braucht es den Geist eines Paul Breitner: „Wir hatten alle die Hosen voll, aber bei mir lief’s ganz flüssig“, um wieder auf Spur zu kommen? Friedrich Merz hatte diese Woche den Mut, klar zu formulieren, was jeder vernünftig denkende Mensch längst weiß: Die gesetzliche Rente ist bestenfalls noch eine Grundversorgung. Und der Koalitionspartner SPD scheißt sich prompt ein in dem Glauben, dass man Reformen machen kann, ohne auch nur einem einzigen Rentner etwas zuzumuten. Die verbale Diarrhoe der handelnden Politiker ist in diesem Falle wirklich unerträglich. Derweil zeigen die diarrhoegeplagten Sorgenkinder der USA, Tesla und Boeing, dass man sich sehr wohl selbst aus der Scheiße ziehen kann, wenn man mit Zuversicht in die Zukunft blickt und an sich arbeitet. Sowohl Tesla als auch Boeing meldeten bessere Zahlen als erwartet. Dort hat sich also etwas gelöst im Gegensatz zu hier:
Obstipation
Falls Sie glauben, dass die Obstipation etwas mit Früchten zu tun hat, muss ich Sie enttäuschen. Vielmehr handelt es sich um einen sehr verschlossenen, um nicht zu sagen verstopften Zustand. So wie die Druschba Pipeline, deren Obstipation sich diese Woche ganz einfach lösen ließ, indem man EU-Krediten an die Ukraine einfach zustimmt. Oder die Windung um die Straße von Hormuz, die zwar irgendwie frei aussieht, aber tatsächlich einer iranischen Obstipation unterliegt. Wobei es sich hier tatsächlich eher um eine Obstination, statt um eine Obstipation handelt. Doch das Obstinieren führt zu einem Obstipieren des wichtigen Seeweges. Dabei ist der Gegenspieler aus den USA, Präsident Donald Trump, bekannt dafür, seine verbalen Darmentleerungen durch starkes Pressen abzuführen. Dies führte auch diese Woche wieder zu starken Blähungen beim Ölpreis und zu einigen Ballaststoffen bei den Börsenindizes. Die Anleger verdauen die Meldungen allerdings bisher sehr gut, weshalb es an den Börsen bislang immer noch wenig Nebenwirkungen gibt. Dabei handeln wir durchaus auch heiße Luft:
Flatulenz
Das laue Lüftchen des deutschen Wirtschaftswachstums hatten wir ja schon, aber die Leibeswinde amerikanischer KI-Unternehmen stinken bisweilen auch zum Himmel. Gigantische Blähungen bevorstehender Börsengänge von Open AI, Anthropic AI oder xAI über SpaceX sorgen für übermäßigen Abgang von ungewollter heißer Luft. Schon jetzt überschlagen sich die Meldungen wie Bakterien im Dickdarm, die Anlegern den Geruch von Profit vorgaukeln, wo es eigentlich gewaltig nach Selbstoptimierung stinkt. Das beste Mittel gegen aufgeblähte Bewertungen ist, genügend zu kauen. Das funktioniert nicht, wenn man die Zähne zusammenbeißt, sondern nur, wenn man Zähne zeigt und nicht alles in sich reinfrisst, was einem die sozialen Medien zu diesem Thema in den Rachen werfen. Spaziergänge helfen, nicht nur die Darm-, sondern auch die Hirntätigkeit anzuregen. In diesem Sinne gilt, lieber vom Leibeswind verweht, als von der Gier vernebelt. Kaufen Sie sich lieber die neue Unterwäsche, die mit KI Flatulenzen misst, als das KI-Gewäsch, das Ihre Depot-Differenzen misst. Mit anderen Worten: Lieber Flatulenzen, als Turbulenzen.
Ihr Volker Schilling