Welche Themen waren diese Woche am Finanzmarkt relevant?
- Himmelfahrt
- Weltenlauf
- Höllentrip
Himmelfahrt
Die christliche Himmelfahrt diese Woche mag nicht darüber hinwegtäuschen, dass Himmelfahrtskommandos oft aussichtslose Vorhaben darstellen, die zum Scheitern verurteilt sind. So wie der neue US-Notenbankchef Kevin Warsh, der frisch im Amt ist. Der ist unter Trumps Gnaden angetreten, um endlich die Zinsen zu senken, stößt aber durch Trumps Iran-Ausflug auf ein Umfeld steigender Inflation bei robustem Wirtschaftswachstum. Das schreit eher nach Zinserhöhungen, die ihn wiederum in die Bredouille bringen werden. Die US-Inflation nähert sich bereits der 4 %-Marke und gleichzeitig signalisieren die Anleihemärkte steigende Zinsen. Die 30-jährigen US-Anleihen haben die 5-%-Marke überschritten und selbst die 2-jährigen Bonds sind bei über 4 % angelangt. Der Markt will eindeutig höhere Zinsen. Das klingt nach Tolstoi, aber in der Warsh and Peace Edition. Die Powell Position in Warshington wird auf alle Fälle in den kommenden Monaten sehr genau beäugt werden. Die Warsheinlichkeit ist groß, dass wir einen Kevin Worship erleben, der sich seinen Warshroom in der Notenbank einrichten wird. Allerdings gibt es weiterhin ein Powell Play, denn der alte Chef wird weiterhin dem Notenbankgremium angehören. Als Powell-Ranger wird er den Neuen gewissermaßen auf der Warshlist haben. Während für Kevin Warsh erst einmal die Schonfrist beginnt, ist sie hier bereits abgelaufen:
Weltenlauf
Keir Starmer, der britische Premierminister, wankt. Aus der Starmania zu Beginn seiner Amtszeit wurde ein Starmageddon bei der letzten Be-Farage-ung der Bürger, den Kommunalwahlen. Der Druck seiner Partei wächst und er fühlt sich Faraget von seinen eigenen Leuten. Das ist eben der Welten Lauf. Ich gehe nicht davon aus, dass sich Keir Starmer bis zum Erscheinen meiner nächsten Kolumne im Amt hält. Eine andere Institution dagegen möchte sich so lange wie möglich behaupten. Die Rede ist von der Commerzbank, die sich gegen die Übernahme der UniCredit zur Wehr setzen will. Die UniCredit bietet für die Commerzbank offiziell zu Konditionen, die zunächst eher nach italienischem Espresso als nach deutschem Kaffeepott klingen. Auch bei Übernahmen nimmt die Welt der Taktiken meistens ihren Lauf. So rechnen wir damit, dass die UniCredit sich langfristig eine beherrschende Stellung sichern möchte und dafür deutlich mehr Aktien braucht, als ihr bisher angeboten wurden. Aktienkurse jenseits der 40 Euro bei der Commerzbank halte ich daher nicht nur für denkbar, sondern für geboten. Eine Nachbesserung des Angebotes ist daher nicht ausgeschlossen. Ein Cappuccino sollte also noch drin sein. Oder wie es ein anderer großer italienischer Vertreter einmal formulierte: „Ich mache ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann.“ Kommen wir vom Don zum Donald:
Höllentrip
Der hat diese Woche die Reise nach China angetreten. Ein Höllentrip mit roten Teppichen, großen Worten und ein wenig Entspannung. Xi Jinping sprach von Fortschritten im Handel, warnte aber bei Taiwan vor Zusammenstößen und Konflikten. Das ist diplomatisch ungefähr so beruhigend wie ein Feuerlöscher im Fegefeuer. Trump wollte mehr Deals, China mehr rote Linien. Trump spricht von „fantastischen Handelsdeals“, während Jinping höllisch aufpasst, dass er nichts Konkretes bestätigt. Auch wenn Chinas Staatschef den US-Präsidenten zum Himmelstempel geführt hat, so ging es eher höllisch heiß her in den Gesprächen der beiden mächtigsten Männer der Welt. Die Börsen setzten zwar zu Beginn seiner Reise zur Himmelfahrt an, doch gegen Ende des Trips zeigte sich zumindest ein Blick durch das Tor zur Hölle. Denn eine konkrete Einigung, wie es im Irankonflikt weitergeht, erzielten sie nicht. So ist auch für die kommenden Tage der Weg vom Himmels- zum Höllentor nur ein kurzer Weltenlauf, der nicht vorhergesagt werden kann.
Ihr Volker Schilling