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Familienbande

Welche Themen waren diese Woche am Finanzmarkt relevant?

  • Familienbande
  • Börsenbande
  • Bande fürs Leben

 Familienbande

Es gibt Fernsehserien, die schaut man. Und es gibt welche, die prägen einen. Bei mir war das „Familienbande“. Im Original hieß die Serie „Family Ties“. Genau vor 44 Jahren, am 22. September 1982, lief die erste Folge. Das Storyboard war herrlich: Steven und Elyse Keaton, liberale Ex-Hippies der Flower-Power-Generation, bekommen ausgerechnet einen Sohn, der Ronald Reagan verehrt, Anzug und Krawatte trägt, die Börse liebt und vor allem eines werden will: reich. Alex P. Keaton, gespielt von Michael J. Fox. Meine absolute Lieblingsserie. Und mein Held. Während andere Jungs Indiana Jones sein wollten, wollte ich Alex sein. Vermutlich ist es also kein Zufall, dass ich an der Börse gelandet bin. Auch beim Thema Altersvorsorge war Alex seiner Zeit voraus. In einer Folge erklärt er seinen Eltern, Kinder hätten die Pflicht, für den Tag vorzusorgen, an dem ihre Eltern der Gesellschaft zur Last fallen. Seine Eltern fürchten schon, irgendwann auf einer Eisscholle ausgesetzt zu werden. Alex beruhigt sie: Das sei nur die letzte Möglichkeit. Er werde schon für ein komfortables Altersheim sorgen. Mutter Elyse widerspricht: Sie würden natürlich bei ihm wohnen. Alex überlegt kurz: Dann eben doch die Eisscholle. 37 Jahre später diskutiert Deutschland noch immer dieselbe Frage. Nur die Eisscholle hat es nicht unter die 33 Empfehlungen der Rentenkommission geschafft. Dafür Kapitalrente, ein späterer Renteneintritt und mehr Beitragszahler. Denn egal, wie man es nennt: Am Ende geht es um die wohl älteste Frage jeder Familienbande: Wer zahlt heute und wer bekommt morgen die Rechnung? Alex hätte vermutlich mehr Kapitalmarkt und weniger Umlage empfohlen.

Börsenbande

Alex P. Keaton war glühender Fan von Ronald Reagan. Selbst „Robin Hood“ bekam bei ihm eine angebotsorientierte Neuinterpretation. Als Alex seinem kleinen Bruder vorliest, berichtet der anschließend, Robin Hood nehme von den Armen und gebe den Reichen. Vater Steven stellt trocken klar: Das sei nicht Robin Hood, sondern Ronald Reagan. Bleibt die Frage: Welche Aktie würde Alex P. Keaton 2026 kaufen? Vielleicht ausgerechnet Alibaba. Der chinesische Konzern hat gerade einen neuen KI-Chip vorgestellt, plant Modelle mit fünf bis zehn Billionen Parametern und will seine globale Rechenzentrumskapazität bis 2032 auf mehr als 20 Gigawatt ausbauen. Die Aktie sprang nach den Ankündigungen zeitweise um rund fünf Prozent. Alex hätte vermutlich kurz mit der Ideologie gerungen, sich die Bewertung angesehen und dann eine Limitorder aufgegeben. Denn hinter dem KI-Rausch steckt inzwischen eine ziemlich alte Börsenweisheit: Irgendjemand muss die Rechnung bezahlen. Modelle werden größer, Chips schneller und Rechenzentren gigantischer. Gleichzeitig ist Kapital nicht mehr zum Nulltarif zu haben. Damit trifft künstliche Intelligenz plötzlich auf einen ziemlich analogen Gegner: den Zins. Vielleicht ist deshalb gar nicht die wichtigste Frage, wer das KI-Rennen gewinnt. Sondern wer genug Geld hat, bis zum Zieleinlauf durchzuhalten.

Bande fürs Leben

Doch mein eigentlicher Held dieser Geschichte ist heute ein anderer als vor 44 Jahren und irgendwie doch derselbe. Michael J. Fox wurde gerade mit dem Bob Hope Humanitarian Award der Television Academy ausgezeichnet. Eine der seltensten Ehrungen der Academy: Seit ihrer Einführung wurde sie erst sechsmal vergeben. Geehrt wurde diesmal nicht Alex P. Keaton. Nicht Marty McFly. Sondern ein Mann, der seine Parkinson-Diagnose irgendwann nicht mehr nur als persönliches Schicksal, sondern als Aufgabe begriffen hat. Seine Stiftung hat seit dem Jahr 2000 mehr als drei Milliarden Dollar in die Parkinson-Forschung investiert. Was für ein Mensch Michael J. Fox für andere geworden ist, beschreibt sein Freund Harrison Ford besser, als ich es könnte: Harrison Ford über Michael J. Fox. Und weil Pathos nicht die Sache von Michael J. Fox ist, haben die beiden gleich noch nachgelegt. Im neuen Spot „So… Your Friend Has Parkinson’s“ stehen Fox und Ford gemeinsam vor der Kamera. Es geht darum, wie man einem Freund begegnet, der Parkinson hat. Die überraschend einfache Antwort: nicht mit Mitleid, sondern vor allem als Freund. Und natürlich mit Humor. Vielleicht ist genau das die schönste Übersetzung von „Family Ties“: Bindungen, die halten, wenn das Leben nicht nach Drehbuch läuft. Als Junge bewunderte ich Michael J. Fox, weil er Alex P. Keaton war: ehrgeizig, schlagfertig, optimistisch und ein bisschen verrückt nach Börse und Erfolg. Heute bewundere ich ihn für etwas sehr viel Größeres. Als Kind wollte ich sein wie Alex P. Keaton. Heute weiß ich: Das eigentliche Vorbild war die ganze Zeit Michael J. Fox.

Ihr Volker Schilling

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